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Auch wenn’s dem Nürnberger nicht passt, es muss einmal
gesagt werden: Fürth kann bezaubern. An einem schönen Sommerabend auf der
Beletage im «Schwarzen Kreuz» kommt man leicht ins Schwärmen. Behaglich
abgehoben schweift der Blick aufs Rathaus und malt uns eine florentinische
Kulisse. Mit einem frischen Grillo zum warmen Trüffelmozzarella, serviert von
Luigi, ist die Illusion perfekt. Dabei sind die Gastgeber gar nicht geeicht aufs modisch mediterrane Feeling
mit italienischer Trendkost. Conny und Marco Neubauer wollen vor allem gut
sein, gute Gastronomen. Nach über einem Jahr der redlichen und kreativen Mühe
können wir ihnen sagen: Das machen Sie wunderbar! Das beginnt mit dem lockeren, freundlichen Service. Drinnen oder draußen?
Draußen ist diese attraktive, harmonisch gestaltete Terrasse auf der ersten
Etage, ein beschützter Freisitz. Die Küche bietet zwei viergängige Menüs zu
52 Euro, wobei man die einzelnen Folgen auch frei wählen kann, sowie eine
Auswahl saisonaler Gerichte. Das Essen ist so generös wie vielschichtig
komponiert, basiert auf regionaler Kost und leugnet nicht mediterrane und
asiatische Einflüsse. Das heißt heute «neue deutsche Küche». Ein duftiges
Gedicht ist das Spargelschaumsüppchen mit Prosciutto-Spargel im Brotkörbchen
(6,90 Euro), ebenso gelungen vorneweg der locker-leichte Tomatenraviolo mit Parmesanschaum
und Seezunge (12,90 Euro). Die Hauptgerichte, die wir wählen, sind eher
deftig. Bestens gelungen das Kotelett vom Urschwein auf Kartoffelragout mit
Chorizosauce (19,90 Euro), ein bisschen zu üppig die Maisscholle
«Finkenwerder» mit Speck und Shrimps (20,90). Dem Zeitgeist angemessen Aber mit diesen Gerichten dürfen wir Sie nicht mehr locken, es gibt bereits
die neue Karte, die sehr verheißungsvoll klingt. Zum Beispiel das Menü 1:
Carpaccio vom irischen Bullen und Entenstopfleber, Bäckchen vom
Iberico-Schwein mit Jakobsmuscheln und Brandate (das ist eine Art
Fischmousse), Kotelett vom neuseeländischen Hirsch mit Balsamico-Kirschen und
Kartoffelblinis und als Dessert Creme Brulee mit Passionsfruchtsorbet. Die
Portionen sind dem schlanken Zeitgeist angemessen, wer mehr will, bekommt
einen Zuschlag. Conny (29) und Marco Neubauer (32) haben viel Mut bewiesen, als sie das
altehrwürdige Hotelrestaurant «Schwarzes Kreuz» kauften, renovierten und zur
schicken Ausgehadresse aufpeppten. Eröffnung war März 2008. Beide sind
versierte Profis, die über acht Jahre im «Schindlerhof» tätig waren, sie als
Hotelfachfrau, er als Küchenchef. Marco, der im «Pflaums Posthotel» gelernt
hat, versteht es wunderbar, aufregende Menüs zu kreieren, wobei er Kräftiges,
gar Deftiges mit Zartem und Edlem harmonisch kombiniert. Großen Wert legt er
auf regionale Produkte, am liebsten in Bio-Qualität. Unterm Strich: Das «Schwarze Kreuz» widerlegt jedes Vorurteil von der spießigen,
internationalen Hotelküche. Das Ambiente in Rot-Schwarz-Weiß ist schick und
freundlich, die Terrasse auf der Beletage eine Augenweide. Die Preise sind
dem Angebot der Küche angemessen. Die kleine Weinkarte ist hervorragend, die
Preisklasse moderat. Ein Restaurant mit Zukunft. Kerstin Möller
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